Mittwoch, 8. März 2017

Reisevorbereitungen

„Nur Reisen ist Leben, wie umgekehrt das Leben Reisen ist“ Jean Paul 

Die letzten Stunden in Deutschland brechen an. Ursprünglich hatte ich mir vorgenommen schon auf gepackten Koffern zu sitzen, aber so ist das mit den guten Vorsätzen… 

Wie bist du denn auf Afrika gekommen? Das war die erste Frage, die viele mir gestellt haben.  
Dazu muss ich ein bisschen ausholen. Im Kopf spukte die Idee schon etwas länger herum mal für einige Zeit im Ausland zu arbeiten, ein anderes Gesundheitssystem kennenzulernen. Während des Studiums hat sich die Möglichkeit jedoch nicht ergeben. Vielleicht habe ich auch nicht genug für die Umsetzung getan. Im PJ kam dann schließlich die Frage auf, wie es nach Beendigung des Studiums weitergehen soll. Die Entscheidung für eine Fachrichtung fiel dann doch ziemlich einfach. Mein Steckenpferd sollte die Gynäkologie und Geburtshilfe werden, wo Freude und Leid nah beieinander liegen. Im Hinterkopf immer noch der Wunsch auch mal ins Ausland zu gehen. Schließlich hatte ich so vielen Leuten von meiner Idee erzählt, dass erste Nachfragen kamen, wie weit mein Plan denn vorangeschritten sei. Also musste ich mich langsam in die Spur begeben. Afrika als Kontinent hat schon immer einen gewissen Reiz auf mich ausgeübt. Nachdem Bekannte bereits da waren und von ihren Erlebnissen berichtet haben, stand also die grobe Richtung fest.  

Als nächstes musste ich mir überlegen, mit welcher Organisation ich den Schritt wagen will. Ärzte ohne Grenzen und viele andere Vereine kamen nicht in Frage, da eine gewisse Berufserfahrung vorausgesetzt wird, die ich ja einfach noch nicht habe. Nach einer Alternative musste ich nicht lange suchen. On the move ein Verein, der Freiwillige nach Afrika schickt, nicht nur im medizinischen Bereich, wurde unter anderem von Rick Wolthusen gegründet, der einen Jahrgang über mir auf das Gymnasium ging. Die Bewerbung war abgeschickt und nun hieß es warten auf eine Rückmeldung. Da nur Länder mit Englisch als eine der Amtssprachen in Frage kamen, war die Auswahl von vornherein ein wenig eingeschränkt. Mitte Oktober letzten Jahres kam dann die Bestätigung, dass ich für 16 Wochen ab Mitte März im Jaramogi Oginga Odinga Teaching and Referral Hospital Kisumu – Kenia in der Gyn und Geburtshilfe arbeiten und bei einer Gastfamilie wohnen werde. 

Danach waren die Vorbereitungen auf Grund des anstehenden letzten Staatsexamens Anfang Dezember erstmal auf Eis gelegt. Nach bestandener Prüfung und vielen nervenaufreibenden Momenten gönnte ich mir dann erstmal eine Verschnaufpause, besuchte Freunde in Wien und Groningen und feierte Weihnachten in der Familie. Anfang Januar buchte ich dann meinen Flug. Man mag nicht glauben, wieviel verschiedene Möglichkeiten sich da ergeben. Auch da ich An- und Abflug flexibel gestalten konnte. Ich entschloss mich im Juli noch ein paar Wochen dran zu hängen und so wurden am Ende 140 Tage draus. 
Nun versuchte ich in den folgenden Wochen sukzessive meine Liste mit Punkten abzuarbeiten. Gefühlt kam mit jeder erledigten Sache ein neuer Punkt hinzu. Doch irgendwann hatte ich mich durch den Wust aus Auslandskrankenversicherung, Visum usw. gekämpft. Nebenbei hieß es noch Bewerbungen schreiben und an den Faschingskostümen basteln.  
Eigentlich wollte ich die Zeit auch nutzen, um mein Englisch ein wenig aufzufrischen, aber da ist es doch beim Wollen geblieben. Jetzt werde ich schauen, wie weit ich mit meinem Wortschatz komme. Swahili (Suaheli) ist neben Englisch die zweite Amtssprache in Kenia. Ein paar einfache Worte wie Bitte und Danke, die ich in meinem Reiseführer gefunden habe, konnte ich mir bereits einprägen. Ansonsten ist es wohl wie bei jeder Sprache – learning by doing. Wusstet ihr zum Beispiel, dass Safari Swahili ist und übersetzt Reise bedeutet? Am Ostufer des Viktoriasees lebt eine eigene Volksgruppe, die Luo. Auch diese Bevölkerungsgruppe hat einen eigenen Dialekt. Ich bin schon gespannt, wie schnell ich die neuen Sprachen lernen und vielleicht auch das ein oder andere Wort mit Einheimischen wechseln kann. 

„Du bist aber mutig“ das habe ich fast jedes Mal zu hören bekommen, wenn ich von meinem Vorhaben erzählt habe.  Das hat mich ein bisschen ins grübeln gebracht. Bin ich wirklich mutig? Ich bin ein Mensch, der es schwer hat auf neue Leute zuzugehen und habe gerne Freunde und Familie um mich herum. Länger als 5 Wochen am Stück war ich nie von ihnen getrennt. Jetzt werden 5 Monate vergehen, in denen ich sie nicht sehe. Ich lasse Freunde zurück, die mir immer wieder Kraft geben, die Familie, die immer ein Rückzugsort ist und Menschen, die ich erst seit kurzem sehr lieb gewonnen habe. Ich hasse Abschiede, auch wenn sie nur auf Zeit sind, und so sind in den letzten Tagen doch das ein oder andere Mal ein paar Tränen gekullert. Gerne plane ich alles lange im Voraus und bin im Allgemeinen ein strukturierter Mensch. Auch da werde ich in der nächsten Zeit Kompromisse eingehen müssen, allein weil die Mentalität schon eine ganz andere ist. Meine gewohnte Komfortzone werde ich verlassen. Es wird sicher nicht immer ohne Enttäuschung zugehen. Aber ich bin mir sicher, dass das ein oder andere Abenteuer und tolle Erfahrungen auf mich warten. Um also auf die Frage vom Anfang zurückzukommen – ja, ich denke es gehört schon ein bisschen Mut zu diesem Schritt. 

Was auf mich in den nächsten Wochen zukommt, kann ich noch nicht richtig abschätzen. Auch wie regelmäßig ich den Blog pflegen werde, kann ich noch nicht sagen. Aber ich werde mir große Mühe geben, euch auf dem Laufenden zu halten, wie es mir ergeht und was ich so erlebe. 

Also machts gut. Ich begebe mich jetzt in den warmen Süden, habe ein halbes Jahr Sommer, komme mit Rastazöpfen wieder und esse nur noch mit den Händen 😉 

See you sooner or later 🙋

Kommentare:

  1. Liebe Jana. Du hast meinen größten Respekt vor diesem Schritt. Es gehört wohl nicht nur Mut, sondern auch Menschsein, Reisefieber, Fernweh und Hilfsbereitschaft dazu, solch ein Abenteuer zu wagen. Ich hoffe du hast einen guten Start und wirst gut aufgenommen. Und freue mich schon von deinen Abebteuern zu lesen. Liebe Grüße aus der verregneten Schweiz 🇨🇭 Manu

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  2. Liebe Jana,
    ich wünsche Dir ganz viel Glück, Spaß, Freude an der Arbeit und einen Koffer voller Erfahrungen, mit denen du hoffentlich gesund und munter wieder zurückkehren wirst. Genieße die Zeit in einem exotischen Land, voller neuer Eindrücke. Ich hoffe die Menschen begegnen dir mit Wärme, Offenheit und dem (für Frauen nötigen) Respekt. Ich freue mich schon jetzt auf deine Berichte.
    Liebe Grüße
    Jule (Mickel)

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  3. Liebe Jana,

    Die Komfortzone Deutschland wirst du, wenn du wiederkommst, erstmal richtig schätzen lernen...�� Aber trotz allem ist jede Erfahrung im Ausland einfach wunderbar, man lernt viele tolle Menschen kennen und du wirst dann vermutlich die Arbeit hier bei uns, wenn du dann angefangen hast, manchmal mit anderen Augen sehen und doch eher "choose wisely" durchführen als manch andere ��

    Ich wünsche dir zuerst einen tollen Flug, safe journey �� Und dann natürlich viele schöne Tage und Wochen, den einen oder anderen Kulturschock wirst du 100%ig erleben �� Aber auch daran gewöhnt mab sich ganz schnell und kaum hasr du dich umgedreht, ist alles schon Normalität für dich!

    Ganz liebe Grüße
    Sarah

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