Dienstag, 6. Juni 2017

Jambo aus Nairobi

Meine Arbeitswoche war kurz, denn am 01.06. ist in Kenia Nationalfeiertag, die Unabhängigkeit von den Briten wird gefeiert. In diesem Jahr fiel das auf einen Donnerstag, sodass ich mich entschieden habe, das lange Wochenende zu nutzen und in Nairobi zu verbringen. Die Bustickets habe ich schon vor einer Weile gekauft. 6-7 Stunden Fahrt sind zwar nicht ganz ohne, aber schließlich lohnt sich der Blick nach draußen immer.

Also geht es Donnerstag morgens los. Der Bus ist ziemlich leer, der Platz neben mir ist nicht besetzt, wir kommen gut durch und sind wir super pünktlich in Nairobi.


Meinen Rucksack geschultert, mache ich mich auf den Weg zum Hotel. Nach ein bisschen Suchen habe ich es dann auch gefunden. Eingecheckt begebe ich mich zum Zimmer – die Einrichtung folgt vielleicht nicht dem neusten Trend und ist ein bisschen abgewohnt, aber es ist alles akkurat sauber und vom 7. Stock hat man einen wunderbaren Blick nach draußen. Nachdem die Sachen verstaut sind, mache ich mich auf den Weg in die Stadt, um den Rest des Tages noch nutzen zu können. Die Feierlichkeiten zum Madaraka Day finden in Nakuru statt, in der Nairobi selbst gibt es kein Programm, man merkt relativ wenig davon. Bis auf die Flagge, die überall präsent ist, geht alles seinen gewohnten Lauf.
Ich versuche einen Eindruck von der Gegend um das Hotel zu bekommen und laufe ein bisschen durch die Straßen. Nicht ganz leicht einfach nur zu schlendern, denn es sind unheimlich viele Menschen unterwegs. Auf den Bürgersteigen bieten Händler überall noch ihren Wahren an -  es ist wahnsinnig eng. Und wie ich es schon vom letzten Mal kenne, ist sich jeder selbst der nächste. Guckt der dir Enetgegenkommende vielleicht noch auf sein Handy, ist man ganz schnell unsanft angerempelt.

Großstadtfieber

Vor dem Nationalarchiv bekomme ich dann doch ein bisschen den Feiertag zu spüren. Eine Menschentraube hat sich um eine Gruppe gebildet, die die im weißen Gewändern und Westen in den Nationalfarben gekleidet, Gospelsongs singt. Geistliche Musik ist hier überall präsent und jeder macht mit. Man muss nicht jedes Wort verstehen, um begeistert zu sein. Der Rhythmus reißt einfach mit und so tanzt fast jeder um die kleine Gruppe herum – ja auch die Männer. Von dem Hüftschwung kann sich so manch einer noch was anschauen. Ich bleibe lange stehen und genieße den Augenblick.
Nach einem kleinen Snack mache ich mich wieder auf den Weg ins Hotel, denn es ist schon dunkel. Und so ganz kann ich doch nicht abschätzen, wie sicher ich mich alleine um die Uhrzeit noch draußen bewegen kann. Eines meiner Highlights an diesem Tag ist dann noch die warme Dusche – nach zweieinhalb Monaten ohne heißes Wasser ein Hochgenuss.

Eher widerwillig stehe ich am nächsten Morgen auf. Die Matratze ist einfach zu bequem, ich habe himmlisch geschlafen. Das Bett bei meiner Gastfamilie ist doch schon etwas durchgelegen und so dankt mir mein Rücken die Auszeit. Wenn ich noch Frühstück bekommen will, muss ich mich allerdings in die Spur begeben. Das Buffet ist im Übernachtungspreis inbegriffen und so schlage ich zu. Neben den traditionellen kenianische Gerichten, die meist warm sind, gibt es auch selbstgebackene Kekse, kleines Gebäck und französisches Baguette, eine große Auswahl frisches Obst, richtigen Kaffee und frisch gepressten Säfte – ich bin begeistert.
Danach mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Ich habe zwar so ungefähr im Kopf, was ich mir anschauen will, aber ich versuche mich treiben zu lassen. Das klappt am Anfang eher mäßig und so sehe ich vielleicht ein bisschen hilflos aus, als mich ein Mann anspricht. Im Gespräch stellt sich heraus, dass er Physiotherapeut ist und an dem Tag in der Stadt unterwegs ist, weil auf Poliomyelitis aufmerksam gemacht werden soll. Bei uns kommt Kinderlähmung nicht mehr vor – Dank Impfung. Hier ist das anders, auf den Straßen sieht man einige betroffene, die entweder im Rollstuhl durch die Gegend geschoben werden oder die bettelnd versuchen auf allen Vieren vorwärts zu kommen. Joseph kommt ursprünglich auch aus Kisumu und so unterhalten wir uns eine Weile. Schließlich bietet er mir an mir ein paar Orte in der Stadt zu zeigen. Ich habe den Eindruck, dass ich ihm vertrauen kann und wir laufen zusammen los - vom Central Park aus, bis in den Uhuru Park.
Uhuru heißt übersetzt übrigens Freiheit. Auf den Wiesen sitzen und liegen Menschen herum und machen Mittagspause. Auch ein paar Fahrgeschäfte sind hier zu finden, die von Eltern mit ihren Kindern am Wochenende sicher stark frequentiert sind.




Dann bietet Joseph mir an, noch das Kenyatta Hospital – das größte Krankenhaus des Landes zu zeigen. Ich habe natürlich Interesse und so laufen wir bergauf ein Stück aus dem Zentrum raus. Und dann taucht der riesige Bettenbunker vor uns auf. Es ist wahnsinnig riesiges Gebäude. Wir kommen nur hinein, weil Joseph sein blaues Hemd an hat, das ihn als Mitarbeiter kennzeichnet und ich habe wahrscheinlich den „Muzungu-Bonus“. Wir schauen in der Notaufnahme vorbei, lunschen auf der onkologischen Station mal in eines der Zimmer und werfen einen Blick in das Hauptgebäude. Es ist wie ein Labyrinth. Das Kenyatta Hospital ist auch ein staatliches Krankenhaus - im Vergleich zum JOORTH in Kisumu auf den ersten Blick aber besser ausgestattet.




Mit einem Matatu fahren wir wieder zurück in die Innenstadt und laufen dann noch am Parlamentsgebäude und dem Rathaus vorbei. Ich muss immer schmunzeln, wenn ich die Schilder vor diesen öffentlichen Gebäuden sehe: Das ist Korruptionsfeie Zone – was für eine Farce. Fotografiert werden darf nicht, darauf passen genügend Wachmänner auf, also gehen wir weiter. Als ich mich von Joseph verabschieden will, kommt dann noch die kleine Überraschung. Da er unterwegs ist, um Unterschriften zu sammeln, damit Rollstühle für Polio-Kranke finanziert werden können, soll ich natürlich auch unterschreiben. Nur mit einer Unterschrift ist es natürlich aber nicht getan, ein bisschen Geld dafür wird schließlich auch gebraucht. Ich habe damit kein Problem und gebe gerne etwas. Außerdem möchte er gerne noch Geld dafür haben, dass er mich ein bisschen herumgeführt hat. Ich hätte es wissen müssen, schließlich passiert hier fast nichts ohne Gegenleistung. Ich will nicht unhöflich sein, schließlich habe ich ja auch ein bisschen was gesehen und noch einen nützlichen Tipp für mein Nachmittagsprogramm erhalten.
Ich verabschiede mich und begebe mich wieder in den Uhuru Park um ein kleines Mittagspäuschen zu halten und meine Füße auszuruhen. Danach laufe ich zum Kenyatta International Convention Center. Joseph hat mir verraten, dass man auf das Dach des Turms kann, um über die Stadt zu schauen. Und ich werde nicht enttäuscht. Für einen kleinen Taler fährt ein Aufzug bis in den 27. Stock, anschließend muss man noch ein paar Treppenstufen rauf und dann ist man auf eine luftigen Plattform angekommen. Man wird mit einem tollen Blicke über die Stadt belohnt.







Auf dem Weg zurück zum Hotel komme ich an einem Buchladen vorbei und sehe überraschenderweise Postkarten. Unvorstellbar, wie schwierig es ist in diesem Land überhaupt ist, an welche zu kommen.

Am Samstag will ich mich auf machen, um ein bisschen shoppen zu gehen. Die Shopping Center sind alle jedoch nicht im Zentrum. Wie kommt man also am besten hin? Ein Taxi ist natürlich die einfachste Variante, kostet aber auch unnötig viel. Mit dem öffentlichen Nahverkehr ist das hier so eine Sache. Auch in Nairobi sind Matatus und große Stadtbusse unterwegs. Die haben auch alle eine Nummer. Nur gibt es nicht wie bei uns eine entsprechende Haltestellenplan. Die Straßen, in denen die Busse im Zentrum warten kenne ich. Google Maps zeigt mir die Nummer des Busses an, der an der entsprechenden Shopping Mall hält. Also versuche ich mein Glück - das gestaltet sich aber schwieriger als gedacht und so will ich schon fast aufgeben, als ich schließlich doch den Bus mit der richtigen Nummer finde. Ich bin stolz auf mich und froh es alleine geschafft zu haben.
Das Einkaufen ist mindestens genauso schwierig, wie den richtigen Bus zu finden. Den Namen “Shopping Mall“ hat eigentlich keines der Center verdient, jedenfalls nicht, wenn man es mit denen bei uns vergleicht. Besonders enttäuscht bin ich von der Westend Mall. Vielleicht ist es dem ein oder anderen noch ein Begriff, denn 2013 wurde hier ein Terroranschlag von Al-Shabaab verübt, bei dem 67 Menschen ums Leben kamen. 2015 würde das Einkaufszentrum wiedereröffnet, hat wohl aber nie zu seinem alten Glanz zurückgefunden. Es gibt auch nirgendwo ein Andenken zur Erinnerung an die Terrorattacke.
Es gestaltet es sich unheimlich schwierig auch nur ein sommerliches Kleid zu bekommen- mehr wollte ich ja gar nicht. Letztendlich werde ich doch fündig und begebe mich wieder auf den Weg in die Stadt. Da mache ich dann noch einen Zufallsfund: in einem Schaufenster sehe ich habe einen Kitenge. Das sind bunte Stoffe, aus denen unter anderem die traditionellen Kleider der Frauen genäht werde. Ich bin sofort verliebt und muss zuschlagen. Allerdings muss ich dafür handeln. Am Ende bin ich mit dem Ergebnis aber durchaus zufrieden. Was ich aus dem riesen Stück Stoff machen (lassen) will, muss ich mir noch überlegen – ein Rock, eine Tasche, wer weiß.


Am Abend gönne ich mir es noch einmal richtig. Am Vortag ist mir ein tolles kleines italienisches Restaurant in der Nähe des Hotels aufgefallen. Ich schwebe im siebten Himmel, als ich auf der Außenfassade an einem richtigen Tisch mit Blümchen uund Tischdecke sitze und eine große Karte vorgelegt bekomme. Letztendlich entscheidet ich mir für Gnocchi mit Limetten und Parmesan, ein Glas Wein und zum Nachtisch Tiramisu. Ich werde nicht enttäuscht und genieße es in vollen Zügen.


Reis und Bohnen konnte ich irgendwie schon nicht mehr sehen.
Wie in jeder großen Stadt sind auch hier die Bettler ins Stadtbild integriert. Besonders viele Frauen mit ihren Kleinkindern fallen mir hier ins Auge. Wenn sie einem mit großen Augen hinterherlaufen, blutet einem echt das Herz.

Am Sonntag geht es wieder mit dem Bus zurück – ich bin glücklich und tiefenentspannt nach meinem Kurztrip. Die großen Attraktionen wie den Nationalpark und das Nationalmuseum sehe ich dann noch während meiner Safari in knapp einem Monat.

Der Arbeitsalltag nach meinem kleinen Ausflug kehrt nicht so schnell wieder ein. Gerade befinden sich die Schwestern im Streik – der Stationsablauf ist lahmgelegt. Wir entlassen die Patientinnen nur. Spätestens ab Donnerstag ist wohl nichts mehr zu tun. Ab nächster Woche wollen die Ärzte vielleicht wieder streiken, wen die County Regierung ihre Forderungen nicht erfüllt. Ich würde ja gerne arbeiten, aber das macht die ganze Sache echt schwierig. Wie sagte Rick: Da hattest du auch ein Praktikum bei der Lufthansa in Deutschland machen können. Da ist wohl ein Fünkchen Wahrheit dran.

Wie es die nächsten Wochen weitergeht, könnt ihr im nächsten Blogeintrag lesen.

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